Hemdkleider
Das Hemdkleid, das auch Hemdblusenkleid oder Chemisenkleid (nach frz. “Hemd”) genannt wird, blickt auf eine sehr alte Tradition zurück. Bereits das alte Ägypten kannte das Hemdkleid, in der bekanntesten Epoche der Pharaonenzeit (1550 v. Chr. bis 1070 v. Chr.) entwarfen die Altägypter sogar mehrere Varianten des Kleides, die darüber hinaus noch künstlerisch mit Schmuck ausgestattet und aufgewertet wurden.
Um 1800 schließlich brachte das Hemdkleid Erleichterung für die Pariserin von Welt, die sich nicht länger mit der beengenden Einschnürung durch harte Mieder und steife Reifröcke abgeben wollte. Die textilen Folterwerkzeuge wurden aus den Ankleidezimmern Frankreichs verjagt, ihre Last wurde abgelegt und stattdessen mit der Leichtigkeit des Hemdkleides, damals vor allem Chemisenkleid genannt, vertauscht. Um die Schwere der abgelegten Kleidungsstücke auch wirklich vergessen zu machen, wurde sogar eine Gewichtsbeschränkung eingeführt: Der neue Modetrend, das Hemdblusenkleid, sollte zusammen mit den dazu getragenen Schuhen nicht mehr als 250g wiegen. Wer etwas auf sich hielt, hielt sich an diese oberste Gewichtsgrenze und folgte somit streng der Zielvorgabe, dass die neuen Kleider betont luftig, duftig und leicht sein und keinesfalls an schwere Mieder und Ungetüme von Reifröcken erinnern sollten.
Das Hemdkleid wird, vor allem im Sommer, auch heute noch sehr geschätzt. Seine Ähnlichkeit mit dem Tunikakleid macht es zu einem Kleidungsstück mit hohem Tragekomfort. Auch Verwandtschaft zum Empirekleid ist gegeben, da das Chemisenkleid meist direkt unter der Brust von einem Band oder einem dort eingenähten Gummi zusammengehalten wird. Von dort an fließt es meist in frei fallenden Bahnen figurumspielend zu Boden und bietet genug Raum, die eine oder andere Problemzone kaschieren und sich dennoch genuin feminin fühlen zu können.